Etwas widersteht dem heutigen kreativen Verfall, der unnachgiebigen Technizitaet, die das Auge bei jedem Durchgang aufnimmt und neu verarbeitet; etwas bleibt bestehen, das noch weiss, wie man die Grenzen der unverfaelschtesten Emotionalitaet ueberschreitet, und uns aus Sicht der Wahrnehmungspsychologie einlaedt, die kindliche Sichtweise klar zu bewahren, mit der man die Welt betrachtet. Inmitten der riesigen Auswahl an Dosen, in denen uns jede Art von Schmerz verkauft wird, bahnt sich eine ungewoehnliche visuelle Erzaehlung ihren Weg, die in ihrem zurueckhaltenden Ansatz die Kraft besitzt, zu beruehren und zu heilen. Die Illustrationen von Benito Fiola (@benito.illustrator) schaffen es in ihrer ekstatischen Natuerlichkeit, ein Gefuehl kindlichen Staunens in den Augen des Betrachters wiederherzustellen.
Illustrationen eines Unterholzes melancholischer, traeumender, zeitloser Kreaturen, die mit jedem Pinselstrich ein universell zugaengliches Gefuehlswoerterbuch verkoerpern. Die Zerbrechlichkeit, der Traum, die wehrlose Notwendigkeit, in all seiner strahlenden Kleinheit da zu sein, macht Benitos Aquarellillustrationen zu einem Symbol, das ueber die Figur hinausgeht; seine Kreationen erscheinen als Mahnung, den Sinn fuer das Massvolle und das Strahlende neu zu kalibrieren, das in jeder Deklination des Seins existieren kann; fernab der droehnenden digitalen Feiern einer hohlen, geerbten, unmotivierten und oft mystifizierten Erhabenheit. Seine Illustrationen zu bewundern ist Therapie fuer den Geist, gegen den Ueberschuss negativer Reize, es ist die Zerstoerung jener Verhaltenscodes, die auf Eile, Aggressivitaet, dem allgegenwaertigen visuellen Egozentrismus beruhen, unter dem wir leiden und dem wir uns immer mehr angleichen wollen, wobei jede hypothetische Botschaft ausgeloescht wird, solange sie sich identisch in ihrer eigenen Leere zu erneuern weiss.
Koennen Illustrationen heilen? Ja. Das Neurodesign hat die Pflicht, den Betrachter ueber die Gefahren aufzuklaeren, denen das Auge beim Sichten von Linien- und Farbansammlungen ohne Bedeutung begegnet. Die Dimension des Diskreten, des Sich-Genuegens, des stillen und geduldigen Widerstehens vor den Erschuetterungen, ist das Versprechen, das Benito zu halten weiss; eine Portraetkunst, die, ebenso wie die vollstaendig von Hand gefertigten Illustrationen, der ausschliesslich menschlichen Faehigkeit Autoritaet zurueckgibt, in das Geschaffene mehr als eine Antwort in Volumen und Toenen zu legen, sondern vielmehr eine gluehende Teilmenge von Reizen, die fuer jeden Betrachter zu schuetzen ist, von einer universell menschlichen Hand zu einem menschlich universellen Auge.